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Dankbarkeit für unsere Möglichkeiten

Umverteilung bedeutet Verbundenheit 

#80

Bock: Sag mal, wie investierst du eigentlich dein Geld?

Ich: In uns, mein lieber Bock.

Bock: Wie?

Ich: Naja, das meiste wird reinvestiert – in unsere Entwicklung und unsere Leben. In unsere Arbeit, in unsere Reisen, Bergtouren, ich suche und finde so Inspiration und du hast ein artgerechtes Leben. Ich unterstütze coole Projekte und Personen, d.h. ich spende, bin Mitglied oder unterschreibe Petitionen von Vereinen und NGOs.

Bock (nickt zustimmend): Artgerecht find ich gut!

Ich: Ich versuche schon auch etwas anzusparen. Aber sehr konservativ. Und ich sollte mich endlich um eine Bank bemühen, die das Geld in ökologisch sinnvolle Projekte und Unternehmen investiert. Da habe ich bisher noch nicht gewagt – kein blinder, aber ein lahmer, ängstlicher Fleck in meinem Versuch, ein möglichst nachhaltiges Leben zu führen.

Bock: Stimmt. Ich bin ja Mitglied beim Verein Finanzwende und ich kann dir nur raten, den herkömmlichen Banken auszuweichen. CumEx und CumCum und so ...

Ich: Wir haben ja das Glück, in einem Land zu leben, das Steuern einhebt und Sozialleistungen anbietet um möglichst vielen Bürger:innen ein möglichst gutes Leben mit vielen Möglichkeiten zu ermöglichen.

Bock: Möglichst viele mögliche Möglichkeiten?

Ich: Haha! Da ist stilistisch Luft nach oben, stimmt! Weißt du, ich bin mega dankbar dafür, in ein so reiches Land geboren worden zu sein. Auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozio-ökonomischen Schicht ist natürlich Glück oder Pech. Es ist einfach ein günstiger oder ungünstiger Zufall, wo du geboren wurdest!

Bock: Das finanzielle Potenzial einer Person über ihren Lebensverlauf setzt sich ja aus den familiären und den staatlichen Ressourcen zusammen. Und das variiert weltweit gewaltig. Bei uns in Österreich wird noch recht viel durch unser Steuersystem – das von oben nach unten umverteilt – ausgeglichen.

Ich: Ja – noch! Wie wir inzwischen merken und wissen: viel zu wenig um den Ansprüchen der Zeit gerecht zu werden! Und von Seiten vieler "Wohlhabender" wird vehement daran gearbeitet, das immer mehr einzudämmen! Es gibt aber auch hier Ausnahmen, die verstehen, dass es auch um ihr eigenes Wohlbefinden, ihr Zugehörigkeitsgefühl und ihre Zukunft (z.B. Klimawandel) geht: > https://www.taxmenow.eu

Bock:  Hohe Lebensqualität, große Sicherheit und eine enge Gemeinschaft innerhalb von Gesellschaften sind immer dann gegeben, wenn die Schere zwischen Reich und Arm gering ist: das heißt, Vermögen und Erbe sowie Finanzgeschäfte müssen ausgleichend besteuert sein. Das war schon immer so. Darüber haben wir im Rahmen der Demokratie-Erhaltung schon geschrieben 

Ich: So ist es. Den Zivilisationsgrad einer Gesellschaft erkennt man am Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern und am Interesse am Gemeinwohl. Denn wir alle können jederzeit betroffen und auf Hilfe angewiesen sein, temporär oder langfristig: z.B. durch Krankheit, Verletzung, Alter, Arbeitslosigkeit und Trennungen. Meist kommen mehrere Komponenten zusammen.

Bock: Übrigens, laut Känguru in Die Känguru Rebellion, (Marc-Uwe Kling, 2026), gibt es fünf Anzeichen bzw. Gründe, warum Hochkulturen untergehen. Spoiler: Wir erfüllen sie inzwischen alle!

  1. Die Schere zwischen Reich und Arm wird immer größer (Umverteilung nach oben)
  2. Klimaverschlechterungen
  3. Technische Umwälzungen
  4. Seuchen
  5. Militärisch hochgerüstete, aggressive Nachbarn
Alles meins

Ich (muss schlucken und erst nach einer längeren Pause sage ich mit brüchiger Stimme): Ja, ich sehe in der finanziellen Umverteilung ebenfalls einen Kipp-Punkt und wichtigen Schritt in Richtung Besserung für unsere Erde. Besteuerung der obersten Vermögen und Umverteilung nach unten zu Gemeinden, zu Klima- und Biodiversitätsschutz, Energiewende, Finanzwende und sozialem Ausgleich.

Bock (nickt): UND in Richtung Solidarität miteinander. Wir alle können jederzeit sofort etwas in unserem Umfeld verändern und das trägt sich in die Gesellschaft hinaus. Wie ein Stein, den man ins Wasser wirft, zieht Gemeinwohl-Verhalten weite Kreise. UND wir müssen weiterhin für unsere Überzeugungen einstehen und darüber reden. 

Ich (sehe den Bock dankbar an): Danke, lieber Bock, dein letzter Satz gibt mir wieder etwas Mut, daran zu glauben, dass wir gemeinsam etwas bewegen können und werden. Du bringst mich wieder in die Aktivität und Selbstwirksamkeit ... raus aus dem Ohnmachtsgefühl!

Bock: Das freut mich. 

Ich (ermutigt): Ich finde es schön, dass wir herausgearbeitet haben, dass Umverteilung mehr Verbundenheit bedeutet. Uns allen geht es besser, wenn das Geld gut verteilt ist, und wir wollen es verteilen, weil wir uns so stärker verbunden fühlen. 

Bock: Es gibt nun mal einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen hohen Steuern bzw. kleiner Einkommensschere und Wohlbefinden. Wohlfahrtsstaat und gute wirtschaftliche Bedingungen schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Die Erzählung, dass Vermögenssteuern zur Abwanderung der Reichen in andere Länder führen würde, stimmt nicht. Das passiert so nicht. 

Ich: Auch wäre noch wichtig, hier nicht nur auf finanziellen Reichtum zu blicken. Im Kontext der Inner Development Goals könnte man abschließend die Frage stellen: "Was macht mich / uns eigentlich reich?" – Möglicherweise Werte wie Verbundenheit, Freiheit, Frieden? 

 

Was wir beitragen können

… uns bewusst machen, wofür wir Geld ausgeben. Sowohl die täglichen Konsumentscheidungen, aber insbesondere größere Ausgaben für’s Wohnen, ein Auto, Reisen, Hobbys oder Geschenke sind kleine Subventionen für die jeweiligen Unternehmen und Produktionsweisen.

… nachhaltige Konsummöglichkeiten in unserer Nähe finden. Das Gute ist: Es gibt viele Möglichkeiten, sein Geld guten Gewissens auszugeben. Zum Beispiel beim lokalen Gemüsebauern oder in einer Werkstatt, in der Menschen mit Behinderungen angestellt sind oder vielleicht gibt es sogar einen Leihladen, wo man sich die Bohrmaschine, die man ehrlicherweise nur alle paar Jahre mal braucht, ausleihen kann.

… uns bewusst machen, wo wir unser Geld lagern. Auch wenn du dich nicht als reich bezeichnest, oder gerade dann, fließt wahrscheinlich ein großer Teil deines Vermögens in Versicherungen, eine Pensionskassa oder liegt auf einem Bankkonto. Diese Finanzinstitutionen investieren dein Geld leider meistens alles andere als nachhaltig. Als ersten Schritt kannst du nachsehen, wo deine Bank in aktuellen Rankings steht (für D: https://www.fairfinanceguide.de/ffg-d/bewertung/, für Ö: https://www.wwf.at/artikel/bankenstudie/)

… Bankkonto wechseln. Zunächst lohnt es sich, bei deiner aktuellen Bank oder Versicherung nach Nachhaltigkeitskriterien oder einem grünen Konto zu fragen, schon allein um zu vermitteln, dass es dir nicht egal ist, was mit deinem Geld passiert. Wenn du deine Bank wechseln möchtest, gibt es hier eine Übersicht über grüne Finanzprodukte in Österreich: https://www.birdsoftrust.com/gruene-produkte/?product_tag_1=sparkonto&wpf_fbv=1

… bei Wahlen oder durch Petitionen, Bürgerinitiativen, etc. unsere Stimme für faire Besteuerung bzw. Umverteilung abgeben.

… spenden. Finde eine Sache, die dir besonders am Herzen liegt und unterstütze sie. Zum Thema passend beispielhaft angeführt sei die Bürgerbewegung Finanzwende e.V.: https://www.finanzwende.de. Viele Organisationen sind aufgrund ihrer fluktuierenden Einnahmen dankbar über kleinere, dafür regelmäßige Beträge, oft werden auch bestimmte Patenschaften oder Abos angeboten. Das belastet auch dein Konto weniger als eine große Spende.

… weiterhin viel darüber diskutieren. Es ist ein Irrtum, dass wir alle längst alles verstanden hätten. Wer hat das schon? Niemand hat alles in jedem Bereich erfasst. Wir müssen miteinander diskutieren, einander zuhören und auf einander eingehen. Wir schaffen das nur gemeinsam.

… in sich gehen und dankbar sein, für das eigene Glück und die Zufriedenheit. Was immer uns gerade im Moment widerfährt, insgesamt gesehen sind wir in einem Land geboren (oder dorthin gezogen), das uns sehr viele Möglichkeiten bietet. Vergessen wir über all unseren Sorgen nicht, wie großartig das ist. Und seien wir doch froh, in einem Land zu leben, aus dem man nicht flüchten muss, sondern in das Menschen zuwandern möchten.

... unsere Möglichkeiten nutzen und nicht aufgeben 

... diese Erkenntnisse tief in uns verankern.

 

Kopfhörer raus, Blick weg vom Handy, Augen auf.

Das Leben passiert hier und jetzt - in jedem Moment können wir entscheiden, haben wir die Wahl, wie wir handeln und wie wir in unsere Welt wirken möchten.

 

Links & Quellen

funfacts.de – spannende Folge zur Besteuerung von Überreichtum
https://tube.funfacts.de/w/jEb413GevEdLd83MGp7wph

funfacts.de – spannende Folge mit Anne Brorhilker (siehe unten) zu Steuerhinterziehung
https://www.youtube.com/watch?v=1s1UTvL_yeU

Anne Brorhilker, Traudl Bünger, 2025: Cum/Ex, Milliarden und Moral, Penguin, 272 S.

Verlagsbeschreibung: Anne Brorhilker, die als Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Köln jahrelang und unerschrocken die Cum/Ex-Ermittlungen geleitet hat, kennt das komplexe Verhältnis zwischen Wirtschaftskriminalität und Justiz wie keine andere. Hier schildert sie erstmals ihre erstaunlichen Erfahrungen mit der Finanzelite, blickt hinter die Kulissen der Großbanken und entlarvt die Selbstgefälligkeit vieler Steuerhinterzieher. Der Kampf für Gemeinwohl und Gerechtigkeit geht uns alle an - und mit Mut können wir etwas bewegen! Ein Euro des Verkaufspreises dieses Buches geht an die Bürgerbewegung "Finanzwende e.V.". > https://www.finanzwende.de

Christian Stöckner, 2024: Männer, die die Welt verbrennen – Der entscheidende Kampf um die Zukunft der Menschheit. Ullstein Verlag, 336 S. 

Verlagsbeschreibung: Die Welt steckt in der Endphase eines Kulturkampfs: Gier gegen Gerechtigkeit, Zerstörung gegen Nachhaltigkeit, Zynismus gegen Empathie. Nichts zeigt dies deutlicher als die Reaktionen auf die Klimakatastrophe: Hier jene, die versuchen, das Schlimmste zu verhindern, dort jene, die alles tun, um aus dem Verbrennen fossiler Stoffe Profit zu ziehen. Christian Stöcker zeigt: Es kommt jetzt darauf an, dass wir für unsere Kinder die Welt retten vor den Verbrennern und Verblendern, Lügnern und Kleptokraten, die von Öl und Gas profitieren. Und er liefert uns die Argumente, mit denen wir im öffentlichen und privaten Streit klar machen können, warum das fossile Zeitalter am Ende ist und die Zukunft in den erneuerbaren Energien liegt.

Marc-Uwe Kling, 2026: Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5), Ullstein Jugendbuch, 352 S.

Verlagsbeschreibung:

»Ich rebelliere!«, ruft das Känguru, als es in die Küche kommt.

»Aha«, sage ich. »Wogegen rebellierst du denn?«

»Gegen die Zustände.«

»Verständlich«, sage ich. »Löblich geradezu.«

»Rebellierst du mit?«, fragt das Känguru.

»Wenn ich darf.«

»Falsche Antwort. Wer rebelliert, fragt nicht, ob er darf.«

»Guter Punkt.«

»Also rebellierst du mit?«

»Sehr gerne.«

»Hervorragend«, sagt das Känguru. »Dann sind wir schon zu zweit.«

Und wir werden mehr ... mehr ... mehr ...